Befragung der Parteien zum Klimaschutz

Die Häfner:innen wählen am 09.Juni 2024 einen neuen Gemeinderat. Wie stehen die verschiedenen Kandidaten zum Klimaschutz? Zur Vereinfachung der Übersichtlichkeit haben wir die Kandat:innen gebeten deren gemeinsame Position auf Parteinebene abzugeben.

Die Parteien CDU und Freie Wähler wollten die Befragung leider nicht beantworten. die AfD hat nicht auf unsere Anfrage reagiert. Deshalb sind diese Parteinen nicht in den Umfrageergebnis aufgeführt.

Mache dir ein Bild und mache die Wahl zu einer Wahl für den Klimaschutz!

Zu den Ergebnissen: Ergebnisse Parteinenbefragung zum Klimaschutz

Pläne gut – alles gut?

Dem Maßnahmenplan zur Klimaneutralität müssen nun Taten folgen!

Am 18. März verabschiedet der Gemeinderat den Maßnahmenplan, um Friedrichshafen bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu machen. 67 Maßnahmen gekoppelt an einen groben Zeitplan sollen dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

So einen Maßnahmenplan gab es 2020 schon einmal, damals mit 98 Maßnahmen. Doch was wurde davon umgesetzt? Viel zu wenig, um das seinerzeit genannte Ziel: Klimaneutralität bis 2050 auch nur annähernd erreichbar zu machen. Jetzt sind 4 Jahre vergangen und die Klimaneutralität soll 10 Jahre früher, also bis 2040, erreicht werden. Pläne allein reichen dazu nicht, die Umsetzung ist entscheidend. Doch hier scheint es bei der Verwaltung zu hapern. Da passt es ins Bild, dass die Stelle eines/einer Beauftragten für Klimaschutz überhaupt erst Anfang Februar 2024 ausgeschrieben wurde. Noch ist die Stelle nicht besetzt, obwohl schon seit 4 Jahren die Arbeit wartet.

Es ist kein Wunder, dass die örtlichen Umweltschutzorganisationen und Bürgerinitiativen ungeduldig werden. Vor gut einem Jahr hat sich unsere Bürgerinitiative FriedrichshafenZero gegründet. Ziel unserer Gruppe ist, mitzuhelfen die Klimaneutralität der Stadt bis zum Jahr 2040, idealerweise bis 2035, zu erreichen. In zwei konstruktiven Gesprächen mit dem Stadtwerk am See und dem Ersten Bürgermeister konnten wir bis Mitte 2023 unsere Ideen einbringen. Ein Hauptaugenmerk lag dabei auf der rechtzeitigen und umfassenden Beteiligung der Bürgerinnen und Bürgern bei der Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Ohne die aktive Beteiligung der Bevölkerung wird die Klimawende nicht zu stemmen sein.

Seitdem herrscht Funkstille von Seiten der Verwaltung. Nach einer umfangreichen Recherche übermittelte FriedrichshafenZero im November 2023 der Verwaltung viele Beispiele, wie andere Städte ihre Bevölkerung auf dem Weg zur Klimaneutralität mitnehmen. Wiederholte Bitten um ein Gespräch dazu wurden von der Verwaltung immer wieder abgewiegelt. Einmal kam sogar die Nachricht, dass aus Neutralitätsgründen, die Verwaltung bis zur Gemeinderatswahl im Juni nicht mit FriedrichshafenZero sprechen könnte! In einer Antwort auf die Verwunderung der Klimaschützer:innen korrigierte der Erste Bürgermeister diese Aussage in einem Schreiben vom Februar und vertröstete wieder auf ein Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt, der noch nicht absehbar sei.

Nachdem der Maßnahmenplan zur Klimaneutralität im PBU (Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt) Anfang März vorgestellt wurde, bat FriedrichshafenZero erneut mehrfach um ein Informationsgespräch mit der Stadtverwaltung zu diesem neuen Plan. Auch diese Anfragen wurden auf später vertröstet. Unter der Überschrift „Informiert und organisiert“ wird der Bürgerbeteiligung im neuen Maßnahmenplan ein breiter Raum zugewiesen. Unter anderem heißt es da: „Etablierung gesamtstädtischer Austausch-Plattformen“. Bei den Umweltaktivist:innen entsteht der Eindruck, dass solche Überschriften, wie in früheren Plänen auch, in erster Linie als Alibifunktion dienen. An eine aktive Umsetzung denkt die Verwaltung eher nicht. Sonst würde sie den Vorschlag aufgreifen, sich mal mit den örtlichen Umweltschutzorganisationen wie BUND, Fridays for Future, Greenpeace, NABU, FriedrichshafenZero, u.a. an einen Tisch zu setzen. Der Ansatz im Dialog und in Kooperation mit der Verwaltung gemeinsam den Klimaschutz voranzutreiben scheint in Friedrichshafen nicht zu funktionieren. Das ist sehr enttäuschend.

Ein populärer Spruch lautet: „Klimaschutz ist wie Küssen, alleine geht es nicht“.

Wie heizt Friedrichshafen in der Zukunft? Jetzt gibt es einen Plan!

Die Stadt Friedrichshafen wird am 6. Dezember den kommunalen Wärmeplan vorstellen. Dieser enthält die Pläne der zukünftigen Energieversorgung mit dem Ziel bis 2040 klimaneutral zu sein. Doch damit eine klimaneutrale Energieversorgung gelingt, müssen alle Bürgerinnen und Bürger in Friedrichshafen mitmachen. Ebenso muss die Industrie einbezogen werden. Denn schließlich sind wir alle am Ende des Tages diejenigen, die eine warmes Zuhause haben wollen.


Doch was bedeutet das alles nun konkret? Und welche Heiztechnologie sollte man nun im eigenen Haus wählen?

Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über die vielen Themen im Zusammenhang mit der kommunalen Wärmeplanung geben. Außerdem soll er ein Bewusstsein schaffen, warum wir alle unseren Beitrag dazu leisten können.

Sanierung
Je schlechter ein Haus gedämmt ist, desto mehr Energie muss man verbrauchen, um Wohnraum zu heizen. Schlecht sanierte Häuser heizen also sprichwörtlich „aus dem Fenster raus“. Je nachdem wie gut Häuser ab sofort gedämmt sein werden, wird sich auch der Energieverbrauch fürs Heizen entwickeln.
Häuser werden nach einem Standard eingestuft, wie energieeffizient ein Gebäude im Vergleich zu einem Referenzgebäude ist. Nun kann man sein Haus sanieren – teilweise oder zu sogenannten Energieeffizienzhäusern. Die Anforderungen an die in den Standards festgelgten Referenzgebäude steigen mit der Zeit an. Aktuell gibt es hierfür diverse Unterstützungsmöglichkeiten und vielseitige Angebote, das eigene Haus zu sanieren.
Saniert man das eigene Haus also sofort, kann das sehr viele Kosten sparen:

  • Geringere Heizkosten
  • Es besteht aktuell noch eine höhere Förderquote durch den Staat, da die Referenzgebäude einem noch niedrigeren Standard entsprechen

Diese Sanierung ist relevant für die Wärmeplanung, da anhand dieser Zahl der zukünftige Energieverbrauch für die Einwohner berechnet wird. Also auch die Energie, welche über Heiztechnologien (Wärmepumpe oder Wärmenetze) bereitgestellt werden muss.

Heizung
Aktuell werden ca. 87 % der Wärme in Friedrichshafen über fossile Energieträger (also Gas und Öl) erzeugt. Der Neueinbau von Öl- und Gasheizungen sind zukünftig zum einen gesetzlich verboten, sehr umweltschädlich und zukünftig auch nicht wirtschaftlich (aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen). Wer also bald die Heizung austauschen möchte oder muss, dem stehen nur noch wenige Möglichkeiten zur Verfügung:
• Wärmepumpe
• Biomasse (Pellets oder Ofen)
• Anschluss ans Nahwärmenetz
Das Nahwärmenetz ist in Friedrichshafen bisher nur für 1 % der Energieerzeugung zuständig. Es ist aber das zentrale Instrument für eine klimaneutrale Stadt in der Zukunft und für unsere Heizmöglichkeiten.

Wärmenetz
Neben der dezentralen Wärmeerzeugung (Heizung im Keller), gibt es die Möglichkeit, dass Kommunen oder Städte sogenannte „Nah- oder „Fernwärmenetze“ aufbauen. Bei diesen Netzen wird beispielweise die Abwärme von Unternehmen, Wärme aus Wärmepumpen, Solarthermie, Biogas, KWK, Seewärme, etc. an zentralen Orten erzeugt und über ein unterirdisches System in die Haushalte befördert. Über diese zentrale Erzeugung können größere Kraftwerke mit meist besseren Wirkungsgraden betrieben werden als kleinere Kraftwerke in jedem Haushalt.
Die Beschreibung eines solchen Netzes,
• wo es gebaut werden soll,
• wo die Energie herkommen soll und
• aus welchen Rohstoffen die Energie erzeugt werden soll,
wird in der kommunalen Wärmeplanung beschrieben.

Wärmeplan
Die kommunale Wärmeplanung geht von einem großflächigen Ausbau des Nahwärmenetzes aus. Durch dieses Netz sollen rund 65 % der benötigten Energie für die Haushalte bereitgestellt werden. Diese Haushalte müssen sich also nicht mehr um die Beschaffung und den Betrieb einer eigenen Heizung kümmern, sondern können sich an das Nahwärmenetz anschließen und erhalten klimafreundliche Energie zum Heizen.

Bürgerbeteiligung
Warum ist eine Bürgerbeteiligung nun so wichtig?
Aktuell gibt es nur einen kommunalen Nahwärmeplan. Dieser muss nun in die Umsetzung gebracht werden. Das bedeutet:

  1. Analysen zu den Zahlen müssen Machbarkeiten aufzeigen
  2. Betreiber / Installateure zum Aufbau des Nahwärmenetzes müssen gefunden oder gegründet werden
  3. Betreiber / Installateure der Energieerzeugungsanlagen müssen gefunden oder gegründet werden
  4. Fernwärmeanschlüsse müssen gelegt werden
  5. Bürgerinnen und Bürger müssen sich an das Fernwärmenetz anschließen.
    Damit die Stadt weiterhin an der Verfolgung dieses Plans festhält, braucht es Sie als Bürger:innen, welche sich an das Netz anschließen lassen. Des weiteren haben Bürger:innen ein Beteiligungsrecht. Sie dürfen Vorschläge einbringen und den Plan kommentieren. Zum anderen benötigt es Umsetzungspartner. In vielen anderen Städten haben sich hierfür Energiegenossenschaften aus der Bevölkerung gegründet. Mit diesem Konzept verbleibt, das Geld, das ausgegeben wird wiederum bei den Bürger:innen.

Veranstaltung
Am 6. Dezember um 18 Uhr stellt die Stadt Friedrichshafen ihren Wärmeplan im Hugo-Eckener Saal des GZHs vor.

Quellen: Alle Zahlen und Fakten wurden aus dem kommunalen Wärmeplan der Stadt Friedrichshafen entnommen.